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Julia Cottin fertigt einen Wald aus geschnitzten Säulen an, der wirkt, als würde er die Decke stützen. Die hölzernen Säulen wurden direkt aus Baumstämmen geschnitzt.

Julia Cottins Ausstellung steht ganz im Zeichen des Waldes: der Wald als Ort unberührter Natur, als Ort der Fantasie und der Initiation (vgl. seine Rolle in den Märchen), aber auch als Rückzugsort, außerhalb sozialer Kontrolle (als Versteck für Räuber und Verstoßene in Nordeuropa während des Mittelalters).

Die Rauminstallation wurde von einer topografischen Aufnahme angeregt, die Julia Cottin in einem Wald der Gegend angefertigt hatte und an den Grundriss des Saales angepasst.

So ist die Aufstellung der Säulen also eine exakte Wiedergabe eines Stück des Waldes. Dabei behält die Künstlerin die Elemente bei, die eine Säule ausmachen: Basis, Schaft, Kapitell.

Die Formensprache der klassischen Architektur wird jedoch durch die zufällige Verteilung der senkrechten Elemente, ihre rohe Bearbeitung und die ihnen zukommende symbolische Bedeutung außer Kraft gesetzt.

Die Säule, der in der Tradition der Architekturgeschichte die Rolle eine monumental tragenden Elements zukommt und die oftmals als erhebendes akademisches Symbol verwendet wird, sieht hier aus wie eine einfache Stütze auf einer Baustelle, das vorübergehend eine Last trägt.

Dabei spielt die Künstlerin mit einer Umkehrung, die sie physisch, aber auch im übertragenen Sinn verwendet, ohne sich auf eine bestimmte Bedeutung festzulegen.

Forêt de Juma von Julia Cottin geht also sowohl von Säulen der Romanik wie von solchen aus dem Orient aus. Wie bei allen Skulpturen der Künstlerin, wird die metaphorische Bedeutung (Verlegung eines Naturraumes an einen gebauten Ort, Begegnung von Okzident und Orient, umgekehrte, durch eine naturalistische Topografie unterstützte Macht) von einer betont pragmatischen Dimension ausgeglichen (Gleichgewicht der Kräfte, Widerstandskraft des Materials, Frage der Funktion, menschliches Maß).

Zusätzliche Information

  • Art Kommende Ausstellung
  • Künstler/in, Künstler/innen Julia Cottin
  • Kurator/in, Kuratoren/innen Christian Mosar