Im Rahmen der Ausstellung état bruit präsentiert die Konschthal Esch Sound Matters, eine Sonntag¬sreihe, die der Bedeutung von Klang und Zuhören gewidmet sind. Jede Veranstaltung verbindet ein öffentliches Gespräch mit eingeladenen Gästen und ein kollektives Hörerlebnis. Gemeinsam reflektieren wir darüber, was wir hören, was wir ausblenden und wie das Zuhören unsere Wahrnehmung von Raum, Gesellschaft und voneinander prägt.
Durch fokussierte Gespräche und gemeinsames Hörmomente untersucht die Reihe, wie Klang uns umgibt, uns beeinflusst und uns mitunter überwältigt – sie zeigt dabei, dass Klang nicht bloß ein Hintergrundgeräusch ist, sondern eine kraftvolle Dimension unserer Erfahrung und unseres Verständnisses der Welt.
Session 2 - Wann wird Klang zu viel?
Was geschieht, wenn ein Klang keine externe Quelle hat? Wie prägen vergangene Hörerfahrungen die Art und Weise, wie wir die Gegenwart hören? Und was kann das Zuhören über Erfahrungen offenbaren, die höchst subjektiv, körperlich und schwer mit anderen zu teilen sind?
Marie Thompson beschäftigt sich mit dem inneren (Nicht-)Klang von Tinnitus: einer Hörerfahrung, bei der Klänge bewusst wahrgenommen werden, obwohl es keine externe Klangquelle gibt. Ausgehend von ihrem fortlaufenden Projekt, in dem sie Worte, Klänge und akustische Umgebungen miteinander teilt, fragt sie, wie das Klangliche Einblicke in dieses höchst subjektive, vielfältige und wandelbare akustische Phänomen geben kann, ohne lediglich den nicht teilbaren (Nicht-)Klang zu reproduzieren, der oft als „zu viel“ empfunden wird.
Brandon LaBelle erforscht unsere Körper als akustische Umgebungen, in denen Erinnerung und Geschichte kontinuierlich nachklingen. Welche vergangenen Hörerfahrungen haben geprägt, wie wir die Gegenwart hören? Gibt es Geschichten, die über Generationen hinweg widerhallen und kulturelles Erbe und das Gefühl von Heimat weitertragen? Und wie können wir auf die Zukünfte hören, nach denen wir uns sehnen, und dabei durch eine kreative und kritische Aufmerksamkeit Veränderung mitgestalten? Er beschäftigt sich mit der Bedeutung und den Herausforderungen des inneren Zuhörens und damit, wie es uns in Beziehung zu Orten und Menschen verankern kann. Zu uns selbst zurückzufinden, wie Patty Krawec eindrücklich nahelegt, kann die Grundlage dafür bilden, eine Zukunft für unseren Planeten zu gestalten.
Gemeinsam erkunden ihre Beiträge die Bedeutung und die Herausforderungen des inneren Zuhörens, die Klänge, Stille, Erinnerungen und Erfahrungen, die prägen, wie wir uns selbst, andere und die Welt um uns herum hören.
Biografie
Brandon LaBelle ist Künstler, Autor, Theoretiker und künstlerischer Leiter der Listening Biennial. Seine Arbeit beschäftigt sich mit Fragen von Handlungsmacht, Gemeinschaft, Piratenkultur und Poetik und mündet in eine Vielzahl kollaborativer und institutionell unabhängiger Initiativen, darunter Communities in Movement (2019–23), Oficina de Autonomia (2017–), The Living School (2014–16), The Imaginary Republic (2014–19), Dirty Ear Forum (2013–22), Surface Tension (2003–2008) und Beyond Music Sound Festival (1998–2002). 1995 gründete er Errant Bodies Press, ein unabhängiges Verlagsprojekt zur Unterstützung von Arbeiten in den Bereichen Klangkunst und Sound Studies, Performance und Poetik, künstlerische Forschung und zeitgenössisches politisches Denken. Zu seinen Publikationen zählen Poetics of Listening (2025), Dreamtime X (2022), Acoustic Justice (2021), The Other Citizen (2020), Sonic Agency (2018), Lexicon of the Mouth (2014), Diary of an Imaginary Egyptian (2012), Acoustic Territories (2010) und Background Noise (2006).
Marie Thompson ist Senior Lecturer für Popular Music an der The Open University in Großbritannien. Sie ist Autorin von Beyond Unwanted Sound: Noise, Affect and Aesthetic Moralism (Bloomsbury, 2017), The Sonic Surrogate: Music, Technology and the Crisis of Reproduction (UC Press, 2026) sowie gemeinsam mit Annie Goh von Sonic Cyberfeminisms (Goldsmiths Press, erscheint demnächst). Von 2020 bis 2024 leitete Marie das Forschungsprojekt Tinnitus, Auditory Knowledge and the Arts, das untersuchte, wie die Künste zu einem besseren Verständnis von Tinnitus und den vielfältigen Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen beitragen können.
Sprachen: EN (Übersetzung in FR)
Kostenlos | Keine Einschreibung erforderlich.
Zusätzliche Information
- Allgemein Für alle


